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Krippen für das Weihnachtsfest

Krippen für das Weihnachtsfest

Krippen für das WeihnachtsfestRund um den Globus stellen Christen traditionell zur Weihnachtszeit in Kirchen und Häusern verschiedene Darstellungen der Christgeburt in Form von Krippen auf. Sie sind eine figürlich künstlerische Wiedergabe des Christkindes, seiner Eltern, der Engel, Hirten, Könige und Tiere in einem Stall zu Bethlehem.  Dabei werden die Weisen aus dem Morgenlande, die Heiligen Drei Könige am «Tag der Epiphanie» - Erscheinung des Herrn am 6. Januar, im Volksmund «Dreikönigsfest» genannt, den anderen Krippenfiguren beigestellt. Erste bildliche Darstellungen der Geburt Christi gehen auf das vierte Jahrhundert zurück. Sie finden sich in der Katakombenmalerei der Priscilla (Catacombe di Santa Priscilla) sowie im Cömeterium (Ruhestätte) in der Basilika San Sebastiano alle Catacombe in Rom. Im Laufe der Zeit wurden nicht nur bildliche Darstellungen, sondern auch Krippenspiele durchgeführt. Aus dem 9. bis 11. Jahrhundert sind bereits erste Inszenierungen zum Weihnachtsfestkreis überliefert. Zwei davon («Herodes sive Magorum adoration» und «Ordo Rachelis») wurden in einer Freisinger Handschrift in lateinischer Sprache entdeckt. Vermutlich sind diese Aufführungen nur in der Kirche gespielt worden. Während des Überganges von der kunstgeschichtlichen Epoche der Romanik zur Gotik hielt Franz von Assisi anstelle der bisher in der Kirche von Greccio üblichen Krippenspiele im Jahr 1223 erstmals eine neue Art der Krippenfeier ab. Dazu errichtete er mitten im Walde bei Greccio in einer dort befindlichen Höhle oder Grotte eine Krippe, die er mit einem lebenden Ochs und Esel bestückte und so figürlich in Szene setzte. Laut einschlägigen Quellen war zu diesem Zeitpunkt die Heilige Familie noch nicht zugegen. Seine anschließende Weihnachtspredigt deutete das Mysterium.

Die ersten Krippen

Die ersten KrippenDie Krippenfeier des Franz von Assisi wurde zum Vorbild für ähnliche Gestaltungen, die sich später auch an anderen Orten durchsetzten. Eine der ältesten Weihnachtskrippen befindet sich in der Papstbasilika von Santa Maria Maggiore in Rom. Der Florentiner Bildhauer Arnolfo di Cambio fertigte im Jahre 1291 einen  Altar mit verstellbaren Figuren aus Alabaster. Dieses außergewöhnliche Kunstwerk besitzt die Form eines kleinen Hauses und zeigt die Anbetung des Kindes durch die Könige. Zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert breiteten sich die Krippendarstellungen immer mehr aus. Vor allem die Jesuiten zeigten nicht nur in Europa im Zeitalter des Barocks ein vermehrtes Interesse am Brauch der Krippenaufstellung. Der Orden sorgte sogar dafür, dass sich die Krippen auch in den Missionsgebieten etablierten. Die älteste sicher bezeugte Jesuitenkrippe stand 1560 im Kolleg der Universitätsstadt Coimbra in Portugal. In Prag stellten die Jesuiten 1562 eine Krippe mit bekleideten Figuren auf. Zu dieser Zeit publiziert der Ordensangehörige Philippe de Berlaymont (1576 - 1637) bereits die ersten praktischen Anleitungen für die Platzierung von Krippen: «...in einer Hausruine, an deren strohernem Dach ein in die Höhe ragender Stern hängt, wird zwischen Maria und Joseph die Krippe mit dem Kinde aufgestellt. Hirten und Engel sind anwesend...». Darüber hinaus finden sich Krippen ab 1580 in Indien, 1585 in China, dann 1595 in Japan und schließlich 1641 in Kanada. Für Deutschland errichteten die Jesuiten im Jahr 1601 die erste Krippe in Altötting, und sechs Jahre später folgt mit St. Michael in München ein weiteres Gotteshaus. In Europa erlangte der Krippenbau vor allem in Italien, Spanien, Portugal und Südfrankreich Bedeutung, im Osten Europas sind hier Polen, die Tschechei und die Slowakei zu nennen. In Mitteleuropa blühte dieses Kunsthandwerk hauptsächlich in Österreich und dem Süden Deutschlands auf.

Das Volk wird zum Träger der Krippentradition

Das Volk wird zum Träger der KrippentraditionEine weitere Glanzzeit erlebte die Krippenkunst im 18. Jahrhundert, als sie sich nun über die Schlösser- und Kirchenkrippen hinaus auch in die Stuben des einfachen Volkes ausdehnte. Im Zusammenhang mit dem Zeitalter der Aufklärung und der damit verbundenen Säkularisation gegen Ende des 18. Jahrhunderts kam es in einigen Regionen zu einem Krippenverbot. Besonders gravierend wirkte sich die Sperre in Bayern aus, wo die beliebten Schaustellungen fast völlig von der Bildfläche verschwanden. So gab es etwa im Bistum Regensburg im Bezug auf die Krippentradition eine Anordnung, die Darstellung nur noch auf die Hauptszene zu beschränken. In Österreich wurde zwischen 1782 und 1804 sogar ein generelles Krippenverbot ausgesprochen. Dadurch verlagerte sich die Krippenkultur immer mehr in den privaten Bereich und als die Krippenverbote - nicht zuletzt durch das ständige Aufbegehren des Volkes - um 1825 wieder aufgehoben wurden, hatte die volkstümliche Tradtion der Hauskrippe bereits festen Fuß gefasst. Ab dem deutsch-franzöischen Krieg 1870/71 gesellte sich zu der häuslichen Krippe auch der Weihnachtsbaum hinzu.

Viele Ausführungen und Interpretationen

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich ein großes Interesse an alten Handwerkstraditionen und man schnitzte, baute und werkelte an folkloristischen Figuren. Zudem kam um 1850 die orientalische Krippe in Mode. Im Weltkriegsjahr 1917 gründete der schwäbische Pfarrer Alois Burger in Günzburg den bayerischen Krippenverein. Es folgten 1922 Regensburg und 1924 Amberg. Neben den Kirchen beherbergen heute viele öffentliche Krippenmuseen und private Sammlungen eine beachtliche Anzahl historisch oder regional bedeutsamer Krippen. Durch den Einzug der Weihnachtskrippen in den privaten und familiären Bereich haben aber auch die sogenannten «Familienkrippen» inzwischen eine weite Verbreitung erfahren, oft werden diese sogar von Generation zu Generation weiter gegeben. Heute bietet der Handel eine reiche Auswahl unterschiedlichster Krippen für das Weihnachtsfest an: Von historisch überlieferten, traditionellen Formen über Eigenbau-Krippen bis hin zu sehr modernen Interpretationen.

Die Krippensammlung im Bayerischen Nationalmuseum München

Eine besonders schöne Krippensammlung besitzt das Bayerische Nationalmuseum. In den Wintermonaten kann man hier eine Vielfalt von figurenreichen Krippen bewundern, die von 17. bis 19. Jahrhundert entstanden sind. Der Besucher bekommt einen faszinierenden Einblick in die Kunst des Krippenbaus in Süddeutschland und Italien. Diese Krippen zeigen anschaulich eine tief im Religiösen verwurzelte Volkskunst und zudem die Wandlung der Weihnachtsszenerien über die Jahrhunderte.

Text: TerraNova Verlag Regensburg / Annette Weinzierl


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